Die Stimme der Townships: Leonard Karikoga Zhakata
Record Release Concert von "Zombi", der gemeinsamen CD von Leonard Zhakata und Virginia Mukwesha
live in Wernsbach am 25. Juli 2009 |
 |
Der Baß wird oft so solistisch gespielt, daß er die Gesangsstimme eines traditionellen Mbirasängers nachahmt. Außerdem verlängerte Zhakata die Dauer der Stücke auf durchschnittlich 10 epische Minuten. Diesen machtvollen Tanzbeat im Cinemascope-Sound nannte er folgerichtig „Zora“: Zhakatas/Zimbabwes Originale Rhythmik Afrikas.
Aber zum Phänomen Zhakata gehört auch sein einzigartiger Gesang. Er benutzt fast nur seine Kopfstimme, sodaß es scheint, als ob er mehr in sich hinein, als aus sich heraus singt, während fast alle anderen Sänger mit tiefer Stimme wie geachtete alte Männer Weisheiten an die Außenwelt veräußern. Durch dieses Falsetto im Resonanzraum seines Schädels verlieh Zhakata „Mugove“ und all seinen nachfolgenden Texten eine Form von Innerlichkeit, in der er Gefühle so singen kann, als ob er sie nur denken würde.
Mit dieser auch hörbar inneren Stimme schlägt er eine Brücke zu den unausgesprochenen Gefühlen seiner Hörer, kann so ihre Gedanken zum Sprechen bringen. Diese Innerlichkeit intensiviert er noch, indem er seine Stimme ähnlich einer traditionellen Mbirastimme im Vibrato „schimmern“ läßt. Seine Gitarren klingen leicht verhallt und lassen ihn so als Individuum in einem weiten Raum erscheinen. |
Das Arrangement fast jeden Liedes gliedert sich in einen langsamen ersten Teil, in dem das besungene Problem ausgebreitet wird, und eine schnelleren zweiten Teil. Durch Intensivierung ihres Tanzens im zweiten Teil verkörpern die Zuhörer den von Zhakata gesungenen Text des ersten Teils und antworten so auf das besungene Thema. Diese Verschachtelung erzeugt eine spirituelle Kommunion von Text und Tänzern, sodaß das Publikum still mitschreit, wenn es zu den Texten tanzt.
Indem die Zimbabwer auf Zhakatas Konzerte kommen und zu seinen Texten tanzen, machen sie ihn zur inneren Stimme des Landes. Er spricht ihre Gefühle und Gedanken im Hinblick auf ihr Leben und die Gesellschaft aus. Für diese Funktion als öffentlicher Fänger privater Probleme prädestiniert ihn auch seine bescheidene, ja fast demütige Haltung gegenüber seinen Fans. Noch heute drückt er seinen Respekt vor den 120000 Käufern seines ersten Hits aus, da „für viele der Kauf eines Albums eine Menge Geld bedeutet“. Obwohl er es nicht mehr nötig hätte, tritt er auch in den ärmsten Locations auf, wo niemand Geld hat, sich Platten oder Musikcassetten zu kaufen. Die Liebe und Verehrung seitens seiner Fans drückte sich postwendend in dem neuen alten Kosenamen wieder, den sie ihm gaben: „Karikoga“. (Dazu kommt, daß ist er nicht gerade groß gewachsen ist…)
Seine in jährlichem Rhythmus erscheinenden Alben waren jedesmal Verkaufshits. Er wurde von der Presse zum „Weber der Worte“ ernannt, der in seinen Texten “die Substanz einer klassischen Novelle und die Eleganz großer Poesie” vereint. Zhakata wurde mit Preisen und Ehrungen überhäuft und im zarten Alter von 32 Jahren für sein „Lebenswerk“ ausgezeichnet. Er war die Nummer Eins der zimbabwischen Musikszene.
Und genau das war sein Pech.
|
 |
Sie befinden sich auf Seite 3 von 5
« 1 |
2 | 3 |
4 |
5 »