Tendai Musonza
Tendai wurde 1972 in Bindura im Norden Zimbabwes geboren.In der Region Bindura/Chiweshe wird sehr hochwertiger Opalstein für die Bildhauer Zimbabwes abgebaut. Hier befindet sich die Heimat des Shonavolks der Zezuru. Zu den Shona, die knapp drei Viertel der Gesamtbevölkerung Zimbabwes bilden, werden sieben eigene ethnische Gruppen gezählt.
Vater Musonza arbeitete als Wildhüter im Gonarezhou National Park im tiefen Süden Zimbabwes, als Tendai als achtes Kind der Familie zur Welt kam. Er besuchte die Primary School in Chiweshe von 1979 bis 1985, bis die schwere Krankheit seines Vaters ihn zwang, die Schule zu verlassen, da kein Geld mehr für eine weitere Ausbildung zur Verfügung stand. Tendais Vater starb 1988.
Mit seinem Tod mußte Nicholas der älteste Sohn die Pflichten des Familienoberhauptes übernehmen. Eine sichere Anstellung als Mechaniker für Getreidemühlen und ein geregeltes Einkommen ermöglichten es ihm, Tendai den Besuch der Secondary School zu finanzieren.
Zur gleichen Zeit begann Tendais Cousin, der im Januar 1999 verstorbene Faro Mavhunga, in Tengenenge als Bildhauer zu arbeiten. Tendai hatte ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu seinem gleichaltrigen Vetter und besuchte diesen so oft es ging im knapp 100 km entferntem Bildhauerdorf. Er war von der Atmosphäre in Tengenenge und von der Tatsache, daß knapp hundert Familien ihr Einkommen durch Schnitzen an Steinen bestreiten konnten, stark beeindruckt. |
 |
Dennoch war sein Gefühl anfänglich eher von großem Respekt vor den Steinen als von Begeisterung an der Arbeit damit geprägt. Aber Faro ließ nicht locker. Er versuchte ihn zu überzeugen, es doch wenigstens einmal zu versuchen und Tendai begann kleinere Schleif- und Politurarbeiten zu übernehmen.
1991 beendete Tendai die Secondary School und folgte Faro, zunächst als dessen Assistent, nach Tengenenge. Faros unermüdlicher Überzeugungsarbeit und wohl auch der Tatsache, daß er Tendai für dessen Hilfsarbeiten nicht bezahlte, ist es zu verdanken, daß dieser 1992 seine ersten eigenen Skulpturen anfertigte. Bildhauerei und andere künstlerische Tätigkeiten haben in der Familie Musonza keine Tradition. Bis heute ist Tendai das einzige von insgesamt zehn Kindern - Tendai hat fünf Brüder und vier Schwestern - aus dem ein Künstler geworden ist.
Er benötigte etwas länger als ein Jahr, bis er seine Fertigkeiten soweit ausgebaut hatte, daß sich auch Käufer für seine Arbeiten interessierten. Danach ging es relativ schnell, Tendai hatte einen sehr persönlichen Stil entwickelt, der sich durch eine sehr abstrahierte, in Teilen fast kubistische Darstellungsweise auszeichnet, in der deutliche Merkmale traditioneller afrikanischer Kunstformen zutage treten.
Tendais Arbeiten werden häufig von seiner tiefe religiösen Orientierung geprägt. In seinen "Spirit Heads" reflektiert er den im animistischen Glauben verwurzelten Einfluß der Geister und die seelischen Mächte der Ahnen. Den Einfluß der Spirits auf die Lebenden bewertet er dabei überwiegend positiv. Die Ahnen geben Schutz und Frieden und die erforderlichen Fingerzeige, sobald die Menschen im Begriff sind, den rechten Weg zu verlassen.
Anfang der 80er Jahre kam es in Zimbabwe zu ethnischen Auseinandersetzungen zwischen den Ndebele und den Shonavölkern. Betroffen davon war und zu leiden darunter hatte vor allem die Landbevölkerung. Seine Erlebnisse und Gefühle aus dieser Zeit verarbeitet Tendai in einem Motiv, das er "Reconciliation", Versöhnung, nennt. In unterschiedlichen Arten greifen in diesen Skulpturen Hände nach und ineinander.
Hintergrund für Motive wie dieses sind sein ausgeprägtes Bewußtsein für die politischen Verhältnisse in seinem Heimatland und sein hohes Harmoniebedürfnis. In seinen Tierdarstellungen finden sich überwiegend Motive aus der Zezuru-Mythologie. "Chapungu", der Adler überbringt die Botschaften der Ahnen zu den Lebenden, "Zizi", die Eule fungiert als Botin des
Schicksals. Der Ruf des "Hungwe Bird" kündigt das Nahen des Regens nach der langen, entbehrungsreichen Trockenzeit an und in "Mhukahuru", dem großen Tier, stellt er mit dem Elefanten nicht nur eines der Wahrzeichen Afrikas dar, sondern drückt auch ein über den ganzen Kontinent wachsendes
neues afrikanische Selbstbewußtsein aus.
 |
Kurzbiografie
| Geburtstag: |
15. Oktober 1972 |
| Todestag: |
13. Mai 2006 |
| Geburtsort: |
Bindura (Zimbabwe) |
| Ethnie: |
Zezuru |
| Mutopo: |
Mhofu (Eland) |
| Bildhauer seit: |
1991 |
| Begann in: |
Tengenenge |
| Beeinflusst von: |
Faro Mavhunga |
| Bildhauergeneration: |
2 |
| Familienstand: |
verheiratet |
| Kinder: |
eine Tochter, einen Sohn |
|
|
|
|
| Skulpturen von Tendai Musonza |
|
|