Ronika Tandi

„If you look on my sculptures you can take a look inside my head, this is where they come from!”

Ronika Tandi (geboren 1975) ist eine jener Frauen Zimbabwes, die ihr Schicksal selber in die Hand genommen haben. Sie wurde am Lake Kariba im Norden Zimbabwes geboren. Zunächst nahm ihr Leben einen Verlauf, der typisch war - und heute noch ist - für die Mehrzahl der Frauen in Zimbabwe. Sie absolvierte in Kariba Grund- und Mittelschule, heiratete einen Mann, der nicht immer nett zu ihr war und bekam ihr erstes Kind, Diana (1992). 1997 folgte sie ihrem, inzwischen verstorbenen, Mann aus beruflichen Gründen nach Hwange.

In Binga, ganz in der Nähe, leben ebenfalls Angehörige der Tonga und Ronika begann unter deren Anleitung erste Gebrauchsgegenstände aus Holz zu schnitzen und diese zu dekorieren.

Bald musste sie realisieren, dass sie sich im Wesentlichen zwischen Abhängigkeiten, Verpflichtungen und Enttäuschungen bewegte und wurde mit dem Leben in der Rolle, die die männerdominierte Gesellschaft Zimbabwes für sie vorgesehen hatte, zunehmend unzufrieden.

Als sie ihr zweites Kind erwartete, wurde sie von ihrem Mann verlassen. Ronika beschloss von Grund auf neu anzufangen, sich von niemanden mehr zu etwas zwingen zu lassen und ihr Leben selbst zu gestalten. Zunächst kehrte sie zu ihrer Familie zurück, die mittlerweile in der Nähe von Harare lebte.

Ronika Tandi

Ronika fühlte sich seit frühester Jugend von allem Kreativen angezogen und lernte bald (2000) ihren späteren Lebensgefährden Eddie Masaya kennen. Eddie eröffnete Ronika einen ganz neuen Zugang zur Kunst und insbesondere zur Bildhauerei und so beschloss sie Künstlerin zu werden.

Der „normale“ Weg wäre gewesen, sich einem renommierten Künstler als Gehilfe und Lehrling anzuschließen, aufgrund ihrer Beziehung zu Eddie Masaya, wäre dies auch problemlos möglich gewesen, aber Ronika wollte unabhängig bleiben und begann in den Visual Art Studios an der National Galerie in Harare zu studieren und schloss 2008 mit Zertifikaten in Malen, Zeichnen und Fotografie ab.

2006 stellte sie ihre Arbeiten in der deutschen Botschaft in Harare aus ein Jahr später in der Young Artist Exhibition in der Delta Gallery. Im Jahr 2007 nahm sie auch an einem Kulturaustauschprogramm in Malawi teil und 2008 wurde sie ausgezeichnet als „Sculptor of the Year“.

Seit 2008 stellt sie regelmäßig an der Internationalen Tourismus Sanganai/Hlanganani in Bulawayo und Harare aus und seit 2009 wird sie regelmäßig nach Deutschland eingeladen. Während ihres Aufenthalts 2010 schuf sie unter anderem die Skulptur „Playing a Love Song Together“ für den Kunstweg der Gemeinde Rednitzhembach.

Im darauf folgenden Jahr gab Ronika ihren ersten Workshop in Italien und Anfang Juni 2011 nahm sie als Vertreterin der weiblichen Bildhauer Zimbabwes an der offiziellen Eröffnung der Biennale in Venedig teil.

Seit 2007 arbeitet Ronika Tandi zudem als ehrenamtliche Kunsterzieherin an der Gehörlosenschule Emerald Hill School for the Deaf. 2010 gründete sie mit den Verantwortlichen von Emerald Hill die integrative Stiftung „Shungu Dzangu“, in der talentierte, gehörlose Künstler gemeinsam mit nicht-gehandicapten Kunst schaffen und gemeinsam vermarkten.

Ronika wird als geduldige, starke, verantwortungsvolle, kreative und intelligente Frau charakterisiert. Sie blickt optimistisch in die Zukunft, weil sie gelernt und gezeigt hat, dass alle Rückschläge und Krisen bewältigt werden können, solange man nur hart genug daran arbeitet. Sie gilt als geradlinig, aufrichtig und direkt und ist mit einem hohen Maß an sozialer Kompetenz ausgestattet. „Alle menschlichen Beziehungen basieren auf einem Verhältnis von Geben und Nehmen, das unbedingt ausgewogen sein muss, damit niemand sich ungut fühlt.“

Ronika sieht sich ganz als afrikanische Frau, ihre Geschlechtsgenossinnen warnt sie vor falscher Bescheidenheit und Schüchternheit und fordert sie auf, Mut zu zeigen: „Versteckt Euch nicht, wenn Ihr etwas mittzuteilen habt, tretet in die Öffentlichkeit, zeigt Euer Talent und teilt es mit anderen Menschen.“

Ihre „weiblichen Seele“ sieht Ronika als erste Quelle der Inspirationen zu ihren Skulpturen. Ideen liefern ihr aber auch Beziehungen, die Natur und ihre unmittelbaren Umgebung. „Macht Eure Türen und eure Augen auf und ihr seht überall natürliche Gemälde und Skulpturen.“

Ihren Stil beschreibt sie selbst als reduziert und wenig detailliert, aber von großer Ausdruckskraft. Sie orientiert sich in ihren Arbeiten in erster Linie an den Gegebenheiten des rohen Steins, folgt seinen Linien, bezieht Oberflächenstrukturen ein, will sein Wesen nicht ändern sondern freilegen und unterstreichen.

In der Kunst sieht Ronika eine Art, ihre Gefühle auszudrücken. „Eine Skulptur zu schaffen, ist wie ein Gedicht oder einen Roman zu erzählen. Es gibt keine Skulptur, hinter der nicht eine Geschichte oder Bedeutung steckt.“

Ronika Tandis Lebensgeschichte, ihre Kreativität, ihr Muts und ihre Beharrlichkeit macht sie zu einer Symbolfigur der Frauen Zimbabwes.

Ronika Tandi-Philosopher
Into Africa Skulpturengalerie Wernsbach
Kurzbiografie
Geburtstag: 21. April 1975
Geburtsort: Kariba (Zimbabwe)
Ethnie: Zezuru
Mutopo: Moyo Muturikwa (Herz)
Bildhauer seit: 2000
Begann in: Harare
Künstlerische Ausbildung: National Gallery Visual Art Studios
Abschluss: Certificate in Visual Arts
Beeinflusst von: Eddie Masaya
Bildhauergeneration: 3
Familienstand: verwitwet
Kinder: Tochter Diana (29. Dezember 1992), Sohn Temba (2. Juli 2000)
Skulpturen von Ronika Tandi


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