Zimbabwe Skulptur heute
Shona Skulptur
Viele Bildhauer arbeiten heute in ihren Werken die mystische und spirituelle Welt ihrer Gesellschaften auf, doch erscheint die Verwendung religiöser Motive in der bildenden Kunst in Zimbabwe zum erstenmal mit den Steinskulpturen in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Mythologie der Shonavölker ist zwar reich an Sagen und Gleichnissen, die den Einfluss der Geisterwelt auf den Alltag der Lebenden beschreiben, ihre Traditionen kennen aber weder Masken- oder Skulpturenschnitzerei, noch Geisterbildnisse oder andere Abbilder mythologischer Figuren.
Ihre Handwerkskunst beschränkte sich auf die Herstellung von verzierten Stühlen, Kopfstützen, Haushaltsgegenständen, Musikinstrumenten und auf die Abbildung von Tiergestalten. Rituelle, aus Holz geschnitzte Tanzmasken findet man beispielsweise in der Kultur der Yao und Chewa aus Malawi. Einige Angehörige dieser Völker arbeiteten auch in Tengenenge, darunter Leman Moses, der als erster Künstler Stilelemente traditioneller Masken seines Volkes verarbeitete und der Thematik der Skulpturen damit schon früh eine neue Richtung hinzufügte.
Vielleicht wollte Frank McEwen mit dem Begriff von der „Shona Skulptur" nur den Unterschied zur westlichen Kunst ausdrücken und darauf hinweisen, dass die Skulpturen nicht Produkt einer theoretischen, kunstgeschichtlichen Ausbildung sind, sondern unter den Einfluss unbekannter Mythologien, religiöser Erfahrungen und dem Glauben an übernatürliche Mächte entstanden sind.
Rein sachlich ist der Begriff von der „Shona Sculpture" nicht richtig. Er opfert das Werk des einzelnen Künstlers im Namen einer ethnischen Gruppe, um einen äußerst zweifelhaften traditionellen Bezug herzustellen. Und er erschwert es dem Einzelkünstler, seine künstlerische Identität zu wahren und sich von der breiten Masse der ständig expandierenden Produktion von „Airport Art" abzugrenzen.
Zur Wende des 18. auf das 19. Jahrhundert siedelte die britische Kolonialregierung eine Vielzahl von Arbeitern in die Landwirtschafts- und Bergbauzentren ihrer Kolonien um. Andere Menschen zwangen Hunger und Armut dazu, ihre angestammten Gebiete zu verlassen und sich anderswo Arbeit zu suchen. So kamen Menschen aus Malawi, Angola, Zambia und Mocambique ins ehemalige Rhodesien. Viele dieser Gastarbeiter heirateten einheimische Frauen und blieben in der Gegend, wodurch bald ein buntes Völkergemisch entstand. Alle diese soziologischen Merkmale sind in der ersten Bildhauergeneration Zimbabwes zu finden und stellen den Begriff der authentischen Stammeskunst erneut in Frage.
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